Die Technik des Natursteinmauerns ist immaterielles Weltkulturerbe. Diese Mauern bestehen aus aufeinander geschlichteten Natursteinen, die mit Kalkmörtel (ungelöschtem Brandkalk, Sand und Wasser) miteinander verbunden werden. Die stückweise Sanierung von Stiftsmauern ist dabei die Grundlage unserer Kurse, in denen wir die Technik dazu vermitteln. Gemeinsam mit den European Heritage Volunteers – einer unabhängigen europäischen NGO, die die Brücke zwischen professionellem Denkmalschutz und ehrenamtlichem Engagement schlägt – haben wir nun über 14 Tage mit 12 Freiwilligen aus den USA, Mexiko, Australien, Taiwan, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Spanien, Estland, Finnland, Irland, Großbritannien und Deutschland etliche Meter an Mauern wiederherstellen können. Im Zentrum des zweiwöchigen Aufenthalts stand die Sanierung bzw. der Wiederaufbau eines Teils Stiftswehrmauer. Diese viele Meter lange Mauer sichert Hang und Wege. Ein Teilstück war so in Mitleidenschaft gezogen, dass ein Abrutschen des Weges drohte. Dieses Mauerstück wurde parallel zum Kurs von Franz Wuthe gesichert und bis über die Wegoberkante hochgezogen. Um die große Menge an Steinen, darunter auch große, schwere Steine zu bewältigen und auch 1600 kg ungelöschten Brandkalk und 22 Tonnen Sand vom Tal auf die Ebene der alten Mauer zu bewegen, stellte Franz Wuthe, Freund und Förderer des Vereins Reiner Handwerk, Maschinen und drei Arbeitskräfte zur Verfügung.
Ergänzt wurde der Aufenthalt der Student*innen um folgende Programmpunkte: Exkursionen mit Besichtigung der Wallfahrtskirche Maria Straßengel, des Prälatenhauses am Straßengler Kirchberg, des 380 Jahre alten Wohnhauses von Klaus Seelos sowie der Villa Popp im Zentrum Gratweins, Werkzeugkunde über alte Techniken und Arbeitsweisen, ein Tag Kalklöschen in der vereinseigenen Grube, Fachvorträge von Gerhard Rottenmanner über als Baumaterial nutzbares Gestein und deren Fundorte, MSt. Christian Ofner über Farberden und Barbara Fiedler über die Sgraffito-Technik mit anschließendem Praxis-Workshop (siehe Bildbeispiele).
Herzlichen Dank auch an das Lagerhaus Gratwein für die zur Verfügung gestellten Sonnenschutz-Kapperln!